Bulletin Sulgen
Bulletin vom 8. Mai 2012 12:00 Uhr
Aktuelle Lage: Durch die Niederschläge am Wochenende und von gestern Montag konnten nochmals eine hohe Anzahl Ascosporen freigesetzt werden. Aufgrund der anhaltenden Blattnässe sind auch gefährliche Schorfinfektionsbedingungen entstanden (siehe RIMpro-Modell). Für die kommenden Tage werden zeitweise Regen und Gewitter bei relativ hohen Temperaturen vorausgesagt. Lokal können Bedingungen für neue Schorfinfektionen entstehen. Am Standort Sulgen sind nun bereits ca. 90 % der vorhandenen überwinternden Ascosporen ausgestossen, so dass von Ascosporen nur noch kurze Zeit eine Gefahr für weitere Schorfinfektionen ausgeht. Dafür steigt nun die Gefahr von Infektionen mit Konidiensporen an, sofern in der Anlage oder näheren Umgebung bereits Schorfbefall vorhanden ist. In unbehandelten Parzellen in Frick wurden Blattschorfflecken beobachtet. Anlagen sollten nun auf Schorfbefall kontrolliert werden. Bei warmen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit ist das Risiko für Infektionen durch den Apfelmehltau hoch.
Aufgrund der steigenden Temperaturen ab Mitte Woche werden für Freitag für verschiedene Orte erneut Feuerbrandinfektionsrisiko vorausgesagt (siehe
www.feuerbrand.ch). Gefährdet sind Anlagen oder Sorten wo noch offene Blüten vorhanden sind (Neupflanzungen, höhere Lagen, Nachzüglerblüten).
Behandlungsempfehlung: Falls kein ausreichender Schutzbelag mehr vorhanden ist (Abwaschung durch Niederschläge oder letzte Behandlung liegt mehr als 5 Tage zurück) soll bei anfälligen Sorten vor nächsten Niederschlägen behandelt werden. Zum Schutz vor möglichen Infektionen mit Schorf, Mehltau und Pseudomonas und in Anlagen mit noch offenen Blüten zum Schutz vor Feuerbrand ist eine Behandlung mit Tonerde und Schwefel zurzeit die sinnvollste Variante. Die Aufwandmenge richtet sich nach dem Kronenvolumen und beträgt bei ausgewachsenen Anlagen ca. 12 kg Myco-San oder 8 kg Myco-Sin. Der Schwefelzusatz ist wichtig für die Wirkung gegen Schorf und Mehltau. Bei den nun warmen Temperaturen empfiehlt sich ein Zusatz von Netzschwefel Stulln von 2 kg zu Myco-San und 6 kg zu Myco-Sin. Falls sich gemäss RIMpro eine gefährliche Infektion am Entwickeln ist und der Schutzbelag nicht mehr ausreichend ist, so kann in eine laufende Infektion auch 0.3 % Armicarb + 0.3 % Schwefel appliziert werden.
Schorfresistente Sorten müssen nur behandelt werden, wenn ein hohes Risiko für Mehltau- und Pseudomonasbefall sowie Feuerbrand besteht oder wenn sich gemäss RIMpro Modell eine gefährliche Schorfinfektion entwickelt.
Beim Einsatz von Blossom Protect gegen Feuerbrand in gefährdeten Lagen ist folgendes zu beachten: Behandlung bei noch blühenden Beständen in wärmeren Lagen am Mittwochabend. Bei etwas langsamerer Erwärmung ist die Behandlung für Donnerstagabend empfohlen. (Infektionsprognose beachten). Tankmischung von BlossomProtect ist möglich mit den Wirkstoffen Netzschwefel, Neem und Quassia, aber nicht mit Armicarb oder Bakterienpräparate.
Schorfbehandlungen mit Tonerdepräparaten (in Mischungen mit Schwefel) müssen am Tag vor dem BlossomProtect Einsatz oder zwei Tage danach erfolgen.Bei berostungs-empfindlichen Sorten (bspw. Golden, Jonagold, Elstar) kann BlossomProtect zu einer Mehrberostung der Früchte führen, daher sind maximal zwei Behandlungen empfohlen. Ab Herstellungsdatum ist das Präparat, gelagert bei Temperaturen unter 20°C, 9 Monate haltbar und bei Kühllagerung unter 8°C mindestens 2 Jahre. Weitere Hinweise zum Einsatz siehe unter www.bio-ferm.com
Andi Häseli, Lucius Tamm
Legende zur RIMpro-Graphik:
Die Stationen laufen nach Mean Greenwich Time. Die Addition von 2 Std. ergibt die Sommerzeit in der Schweiz.
hellblauer Balken: Blattnass-Perioden
dunkelblauer Balken: Regenperioden
braune Fläche: Ascosporen-Potential (zu Beginn der Saison = 100 %, Reifung abhängig von Temperatur und Blattnässe)
rote Fläche: Reife Ascosporen (können beim nächsten Regen ausgeschleudert werden, Ausstoss ist abhängig von Temperatur, Blattnässedauer, Niederschlag und Licht )
gelbe Säule: Ausgeschleuderte Ascosporen (befinden sich auf den Apfelblättern und beginnen bei Blattnässe zu keimen. In Keimphase sind Sporen sehr empfindlich auf Kontaktfungizide. Behandlungen in dieser Phase auf das nasse Blatt haben sich als sehr wirksam gezeigt)
rote Linie: Infizierte Sporen = RIM Wert (zunehmende Anzahl gekeimter Sporen, die ins Blatt eindringen und deshalb mit Kontaktfungiziden nicht mehr erreicht werden können.
Bei Überschreitung des RIM-Wertes von ca. 300 ist von sehr schweren Infektionsbedingungen auszugehen, die seltener (zwei bis vier Mal pro Jahr) vorkommen. Die Werte rechts des vertikalen Strichs sind extrapolierte Werte für die Abschätzung der Entwicklung in den nachfolgenden 24 Stunden, wobei von einer anhaltenden Blattnässe ausgegangen wird.
Andi Häseli und Lucius Tamm






