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Methoden zur Blütenausdünnung für die Fruchtbehangsregulierung

Fadengerät in Aktion
Fadengerät in Aktion

Die Regulierung des Blüten- und Fruchtansatzes ist eine der wichtigsten Pflegemassnahmen zur Beeinflussung der Blütenknospenbildung und der Fruchtqualität. Um grosse Ertragsschwankungen zwischen den einzelnen Jahren (Alternanz) zu vermeiden, werden im konventionellen Obstbau die Blüten mit chemischen Mitteln ausgedünnt. Diese Substanzen sind im biologischen Obstbau nicht erlaubt. Neu ist ab 2012 für die Blütenausdünnung im Bioapfelanbau Armicarb® (Kaliumbicarbonat) erlaubt. Eine Kombination mit einem vorangehenden Einsatz des Fadengeräts kann empfehlenswert sein.

Fadengerät

Bei der Handausdünnung musste bei stark blühenden Bäumen mit einem Aufwand von oft über 200 Stunden pro Hektare gerechnet werden. Mit der mechanischen Ausdünnung mit dem Fadengerät kann dieser Aufwand auf 1-2 Stunden/ha gesenkt werden. Studien zeigen, dass die Ausdünnwirkung beim Fadengerät nicht auf das Abschlagen der Blüten zurückzuführen ist, sondern dass der physiologische Schock entscheidend ist, der zu Assimilatemangel und Ethylenabgabe führt worauf mit  ca. 10-20 Tagen Verzögerung die schwächeren Jungfrüchtchen abfallen. Der Einsatz des Fadengeräts sollte aus diesen Gründen möglichst an kühlen und bewölkten Tagen erfolgen. Der ideale Zeitpunkt für den Einsatz des Fadengerätes ist im Stadium zwischen Roter Knospe, Ballonstadium bis spätestens zum Aufblühen; ansonsten werden viele Rosettenblätter zerfetzt, was für den Start der Bäume ungünstig wäre. Um Schäden an der Rinde und Blättern zu vermeiden, ist ein möglichst schonendes Vorgehen nötig. Dieses wird durch eine hohe Traktorgeschwindigkeit (9-12 km pro Stunde) und eine relativ geringe Umdrehungszahl der Fadenspindel erreicht. Die Ausdünnwirkung mit dem Fadengerät alleine ist bei stark blühenden Alternanzsorten nicht ausreichend und sollte mit 2 (evtl. 3) Behandlungen mit Armicarb®, evtl. Vinasse ergänzt werden (Details siehe unten).

Armicarb

Bei der Anwendung von Armicarb zur Ausdünnung gilt es, über die Blütezeit möglichst viele offene Blüten zu treffen. Dies macht in der Regel, je nach Dauer der Blüte und Blühintensität, zwei bis drei Behandlungen mit Armicarb nötig. In den 3-jährigen Versuchen auf einem Biopraxisbetrieb mit 11 Sorten hat sich eine Dosierung von 15 Kilo Armicarb (ohne Schwefelzusatz) pro Hektare als günstig erwiesen; bei Maigold hingegen waren die Resultate mit 20 Kilo pro Hektare besser. Für eine gute Benetzung der Blütenorgane ist eine hohe Wassermenge (1000-1600 Liter pro Hektare) zu wählen.

Die Behandlung soll idealerweise am späteren Vormittag eines sonnigen, warmen Tages erfolgen, damit möglichst viele Blüten bei der Applikation offen sind und eine lange Einwirkungszeit des Produktes gewährleistet ist. Das Zuwarten mit der Behandlung bis zur vollständigen Abtrocknung des Taus ist auch deshalb empfehlenswert, weil dadurch die für Feuerbrandinfektionen nötige Nassdauer unterbrochen werden kann. Die Behandlungen sollten nicht ins nasse Laub erfolgen, da die hohe Aufwandmenge von Armicarb bei längerer Einwirkung im wässrigen Milieu Fruchtberostungen auslösen kann. Aus demselben Grund sollte es innerhalb von 12 Stunden nach der Applikation nicht regnen.

Kombinierbarkeit mit anderen Produkten: Bei Anwendung von sauer wirkenden Produkten wie Tonerdepräparaten und Blossom-Protect (Aureobasidium) ist vor und nach der Anwendung von Armicarb ein Tag Wartefrist einzuhalten. Die Kombinierbarkeit mit Schwefel ist problemlos.

Bisherige Erfahrungen zeigen: Je grösser die Jungfrüchte oder Fruchtknoten bei der Armicarb-Behandlung sind, desto mehr steigt das Berostungsrisiko. Das gilt es also bei Frühsorten wie Gravensteiner, Retina oder späten Behandlungen von schnell wachsenden Sorten wie Pinova, Ecolette, Elstar zu beachten.

Wir empfehlen den Obstbetrieben mit dieser neuen Methode mit einer gewissen Vorsicht eigene Erfahrungen zu sammeln und nicht auf Anhieb alle Anlagen mit voller Dosis zu behandeln.

Weitere mögliche Massnahmen

N-Vinasse

Der ideale Zeitpunkt für den Einsatz der N-Vinasse ist nach dem Aufblühen. Es sind mindestens zwei bis drei Anwendungen nötig. Die N-Vinasse wird 5-7.5 %ig eingesetzt. Die Wassermenge sollte hoch sein (>1200 l pro ha), um eine gute Benetzung der inneren Blütenorgane zu ermöglichen. Behandlungen am Morgen, bei trockener Witterung und Temperaturen über 16 °C fördern die Ausdünnwirkung. Bei einem hohen Risiko für Blüteninfektion durch Feuerbrand sind Behandlungen zu unterlassen.

Beschattung

Der Zeitaufwand sowie die Materialkosten sind für die Beschattung relativ hoch. Ansonsten wäre das eine interessante Methode. Nach bisherigen Erfahrungen muss die Beschattung rund 22-23 Tage nach der Vollblüte während 3-5 Tagen erfolgen. Die Schattierungsdauer ist jedoch sehr sortenspezifisch. Je nach Wetter und der zusätzlichen Kombination mit Hagelschutznetzen kann es zu einer zu starken Schattierung (mehr als 75-80% Beschattung) und demnach einer starken Ausdünnwirkung kommen. In einzelnen Jahren kann die Ausdünnwirkung und damit die Unterdrückung der Alternanz ungenügend sein. Der Aufbau eines Schattierungsnetzes ist nur sinnvoll, wenn eine Hagelschutznetzstruktur vorhanden ist.

Späte Ausdünnung noch nicht praxisreif

Für eine späte Ausdünnung bei 10-12 mm Fruchtdurchmesser kann noch kein Produkt empfohlen werden. Das Produkt Goemar® GA14 zeigte mit der empfohlenen Konzentration von 0.3% und 3-maliger Anwendung in Versuchen keine gesicherte Ausdünnungswirkung.

Weiterführende Informationen

Artikel zur Blütenausdünnung (Tagungsband Bioobstbautagung 2009, FiBL-Shop)

Merkblatt Pflege Niederstammobst (FiBL-Shop)