Ansprechpartner
Hansueli Dierauer
FiBL Beratung
Ackerstrasse
5070 Frick
Tel. 062 865 72 65
Fax 062 865 72 73
Mobil 079 743 34 02
E-Mail
www.fibl.org
Was kann die Landwirtschaft für das Klima tun?
- Die Einlagerung von Treibhausgas (CO2) in den Boden fördern indem der Humusanteil erhöht wird.
- Reduzieren des Treibhausgasaus-stosses (zum Beispiel Leguminosen anbauen statt Einsatz von künstlich hergestelltem Stickstoffdünger, Reduktion der für die Bodenbearbeitung verbrauchten Energie).
Finanzierung
Der Langzeitverusch in Frick wird finanziert durch:
- Bundesamt für Landwirtschaft BLW (CH)
- Coop Fonds für Nachhaltigkeit (CH)
- Software AG Stifung (DE)
- Sampo Initiative (CH)
- Stichting Demeter (NL)
- Stiftung zur Pflege von Mensch, Mitwelt und Erde (CH)
Reduzierte Bodenbearbeitung im Bioackerbau
In Frick wurde 2002 zu diesem Thema ein Langzeitversuch angelegt. Im Vergleich zur Pflugvariante lagen die Erträge bei der Variante mit reduzierter Bodenbearbeitung bei 113 Prozent. Bei einigen Kulturen sind im Bioanbau ohne Pflug originelle Lösungen gefragt.
Wird gepflügt, verbraucht der Biolandbau pro Kilogramm geerntete Produkte zirka 20 Prozent weniger Energie als der konventionelle Landbau. Dies ist vor allem dadurch bedingt, dass der Biobauer keinen künstlich hergestellten Stickstoffdünger einsetzt. Das allein reicht aber nicht für einen klimaneutralen Bioanbau. Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Bilanz ist die reduzierte Bodenbearbeitung kombiniert mit einer erhöhten Stickstoffeigenversorgung dank mehr Leguminosen. Einige Biolandwirte spielen in dieser Sache eine Vorreiterrolle. Die Landwirtschaftliche Forschung trägt ihren Teil dazu bei mit Exakt- und Praxisversuchen.
Beim Versuch in Frick auf sehr schwerem Boden (45 Prozent Ton) hat die reduzierte Bodenbearbeitung den Humusgehalt in 6 Jahren um 17 Prozent erhöht und die Bodenstruktur verbessert. Demgegenüber hat der Unkrautdruck ein wenig zugenommen, was eine Erhöhung der manuellen Unkrautregulierung bedeutet (zum Beispiel Disteln ausreissen). Aber die Zunahme der Begleitkräuter hatte keinen grossen Einfluss auf den Ertrag, denn der war tendenzmässig höher als beim Pflugverfahren (siehe Tabelle). Eine entscheidende Änderung der Kulturtechnik erfordert der Wiesenumbruch mit anschliessendem Maisanbau:
- Anfang Herbst, bei trockenem Boden mit dem Schälpflug (siehe Photo) maximal 10 cm tief pflügen.
- Im Oktober Einsaat von Winterproteinerbsen, die für die Folgekultur viel Stickstoff anreichern können.
- Anfang Mai werden die Erbsen gemulcht und oberflächlich eingearbeitet. Dann erfolgt die Maissaat. In einem normalen Jahr bringen die Erbsen allein genügend Stickstoff für den Mais.
Von 2002 bis 2009 wurde nur zweimal ein Feingrubber eingesetzt, der 15 cm tief arbeitete. Alle andern Bodenbearbeitungsarbeiten wurden mit einem Hackgerät erledigt. Dessen Gänsefussscharen unterschneiden den Boden ganzflächig in maximal 10 cm Tiefe.
Die positiven Resultate beim Versuch in Frick waren auch deshalb möglich, weil der Kunstwiesenanteil mit 33 Prozent relativ hoch ist. Die Knospe-Richtlinien schreiben lediglich mindestens 20 Prozent vor (oder mindestens 10 Prozent, auch bei viehlosen Betrieben, wenn gewisse Bedingungen, z.B. bei Gründüngungen, erfüllt sind).
2009 wurden weitere Versuche angelegt, damit die reduzierte Bodenbearbeitung auch unter andern Bedingungen (Boden, Klima) getestet werden können. Es geht insbesondere darum, diese Technik auch in Fruchtfolgen mit Kartoffeln, Zuckerrüben und Wurzelgemüse anzuwenden und zu schauen, ob gleich gute Resultat wie in Frick erreicht werden können.
Wir ermutigen auch Biolandwirte (und auch andere Landwirte, die ohne Herbizide arbeiten), sich an die reduzierte Bodenbearbeitung heranzuwagen, aber nicht überstürzt und ohne übermässige Risiken einzugehen. Am besten beginnt man mit wenig riskanten Verfahren, zum Beispiel Ansäen von Gerste nach Brotgetreide oder mit gegenüber Unkraut konkurrenzfähigen Kulturen auf «sauberen» Parzellen.
Vorzugsweise wird die reduzierte Bodenbearbeitung zuerst nur auf kleineren Parzellen oder nur auf einem Teilstreifen einer Parzelle angewendet. Gegen allfällige Wurzelunkräuter setzt man besser ein Hackgerät mit Gänsefussscharen als eine Scheibenegge ein.
Es ist zu hoffen, dass sich in Zukunft der «Maschinenpark» für die reduzierte Bodenbearbeitung schnell erweitert, damit für jede Situation das richtige Gerät eingesetzt werden kann. Der «Maschinenpark» kann sich aus eigenen oder überbetrieblich angeschafften Geräten und auch aus Maschinen von Lohnunternehmern zusammensetzen.
Autoren:
Alfred Berner, Maurice Clerc, Paul Mäder
Trockensubstanzerträge im Langzeitversuch in Frick
Kultur | Winter- | Sonnen- | Dinkel | Kleegras | Kleegras | Mais | Winter- | Mittel aller Kulturen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Sorte | Titlis | Sanluca | Ostro | (ganze Pflanze) | Titlis | |||
Jahr | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | |
Pflug (dt/ha) | 51.8 | 31.9 | 24.3 | 75.1 | 77.9 | 122.7 | 34.2 | |
Reduzierte Bodenbearbeitung (dt/ha) | 44.3 | 33.3 | 22.3 | 96.6 | 96.0 | 164.8 | 41.7 | |
Differenz gegenüber Pflug | - 14 % | + 4 % | - 8 % | + 29 % | + 23 % | + 34 % | + 22 % | + 13 % |










